Was sind Organisations- und Business-Aufstellungen? 

 

Sie sind Unternehmer, Projektleiter(in), Personalleiter(in) bzw. -entwickler(in), Organisationsentwickler(in) oder Mitarbeitender und stehen vor einem Problem, einer Herausforderung, vielleicht sogar einer Krise? 

 

Mit Systemischen Aufstellungen werden auf einfache Weise komplexe Zusammenhänge und Wechselwirkungen in Systemen, die logisch-analytisch nur schwierig oder gar nicht nachvollziehbar wären, sichtbar gemacht. Organisations- und Business-Aufstellungen visualisieren die Beziehungen, Dynamiken und Problemfelder eines Systems und entwickeln Lösungsansätze. Durch die Miteinbeziehung aller Teile des Gesamtsystems werden die Ursachen des Problems schnell offenbar. 

Hierzu werden Personen als Stellvertreter benannt, im Raum aufgestellt und im Zuge einer Prozessarbeit nach ihrer Wahrnehmung innerhalb des aufgestellten Systems befragt. Dadurch wird verborgenes bzw. unbewusst verdrängtes Wissen, das in einem System bereits vorhanden ist, zugänglich und nutzbar gemacht.

 

Das System kann sein:


  • Ein Unternehmen
  • Abteilungen im Unternehmen (Management, IT, Vertrieb, Controlling, Marketing, etc.)
  • Ein Projekt oder Projektteam einer Organisation oder mehrerer Organisationen

 

Die einzelnen Elemente solcher (Teil-)Systeme zu identifizieren ist noch relativ einfach: Die ManagerInnen, die MitarbeiterInnen, die Abteilungen, das Produkt, das Unternehmensziel etc. Nicht so einfach zu identifizieren sind jedoch die Beziehungen, die diese Elemente untereinander eingehen und die Dynamiken, die zwischen ihnen wirken. Beziehungen und Dynamiken bewusst wahrzunehmen, ist jedoch essentiell, um zum Beispiel Spannungen, Probleme und Widerstände zu erkennen und zu lösen.

Was sind typische Anliegen bzw. Fragestellungen?


Die Fragestellungen sind sehr unterschiedlich. Bei der Organisationsaufstellung werden in der Regel Themen aufgestellt, die über das Anliegen einer einzelnen Person hinausgehen. Selbstvertständlich laufen Organisationsaufstellungen aufgrund des Business-Settings weniger emotional ab als Familienaufstellungen.

Hier ein paar Beispiele für Anliegen von Organisationsaufstellungen:

  • Konflikte im Projekt/ Team/ Unternehmen
  • Neuverteilung von Aufgabenbereichen
  • Mitarbeitersuche oder Trennung von einzelnen Mitarbeitern bzw. Teilen der Belegschaft
  • Strategische Neuausrichtung von Unternehmen
  • Kommunikationsstillstand oder -fehlverhalten
  • Rolle/ Platz/ Positionierung/ Durchsetzung Einzelner im Unternehmen 
  • Schnittstelle/ Zusammenarbeit Verband und Mitgliedsunternehmen
  • Interkulturelle Themen 
  • Markenpositionierung, Kundenfluktuation 
  • Personalführung 
  • Krankenstand 
  • Öffentlichkeitsarbeit 
  • Umstrukturierungsmaßnahmen.


Falls ein/e Klient/Klientin ein für sie/ihn heikles Thema anschauen möchte, das andere Personen des Unternehmens/ Projektes nicht mitbekommen sollen, kommt die Person mit einem privaten Anliegen zu mir und wir stellen ihr/sein Thema in meinen Aufstellungsgruppen mit fremden, anonymen Stellvertretern auf. 

Wie ist der Ablauf? 


  1. Eine Person schildert ein Anliegen, also ein Problem oder eine Schwierigkeit.
  2. Daraufhin wählt der/die AufstellungsleiterIn/ Coach andere Personen aus der Gruppe aus, die als Stellvertretende agieren – für Menschen/Gruppen/Gefühle, die mit dem Problem oder der Schwierigkeit zu tun haben.


Das heißt:

  • Die Workshopteilnehmer agieren als Stellvertreter der relevanten Systemelemente. Die tatsächlich am Konflikt beteiligten Personen müssen nicht vor Ort sein.
  • Dabei repräsentieren die Stellvertreter nicht nur die Rolle der Menschen und Elemente, die sie darstellen, sondern beginnen sogar so ähnlich zu fühlen wie die realen Personen. Auf einmal fühlen sich zwei Stellvertreter zueinander hingezogen, und hinterher stellt sich heraus, dass auch diejenigen, die sie vertreten, miteinander befreundet sind. Oder ein Stellvertreter wird wütend und nach der Aufstellung erfahren wir, dass der Vertretende am Arbeitsplatz große Probleme hat und sich häufig wütend zeigt.

Welcher Nutzen ist zu erwarten?


In den meisten Fällen entspannt sich das System und zeigt einen klaren Blick auf bisher unbewusste Themen/Herausforderungen. Informationen, die vorher nicht wahrgenommen wurden, werden sichtbar gemacht: Wie stehen die Rollen zueinander? Nah oder fern? Schauen sie sich an oder in andere Richtungen? Gibt es eine Verbindung oder keinen Kontakt? Fühlt sich jemand stärker als der andere?

Durch gezielte Interventionen durch die Leitung, z.B. Fragen, Zusammenfassungen oder die passende Neupositionierung der Gruppe im Raum, kann das Team oder der Anliegengeber das Problem schrittweise bearbeiten und in die Lösung führen.

Die gewonnenen Informationen und Erfahrungen helfen uns bei der Betrachtung des ursprünglichen Anliegens. Oft führt das bereits zu einer Entspannung des Systems: Die TeilnehmerInnen erleben die Wandlung in der Aufstellung als so verändernd, dass das „System“ am Arbeitsplatz oder das Projekt davon profitiert. Neben den eigenen Erfahrungen und damit der Bewusstwerdung durch die Teilnehmenden sind konkrete Tipps und Handlungsempfehlungen durch die Aufstellungsleitung für die Umsetzung im beruflichen Alltag entscheidend. 

Wie lange dauert eine Organisationsaufstellung?


Die Dauer einer Aufstellung hängt von der Fragestellung, der Anzahl der Teilnehmenden, der Erfahrung und Bereitschaft der StellvertreterInnen ab. Ich kläre im Rahmen der Aufstellungs-Planung mit dem Auftraggeber die Struktur des Workshops und damit die Dauer ab, im Allgemeinen mit einem Spielraum von 30 Minuten.

Die Erfahrung zeigt: Umso klarer und bewusster im Vorfeld die Fragestellung zwischen Auftraggeber und Aufstellungsleitung geklärt wurde, umso schneller und erfolgreicher ist die Aufstellung. 

Wer sollte sich vorbereiten?


Die eigentliche Arbeit im Vorfeld übernimmt die Aufstellungsleitung (also ich) in Abstimmung mit dem Auftraggeber, wo erforderlich. Sie StellvertererInnen müssen und sollen sich nicht vorbereiten und auch keine Rolle „spielen“. Diese Frage, wie man sich zu verhalten hat, erlebe ich sehr häufig. Es handelt sich hierbei um kein Schauspiel, sondern um den Ausdruck der eigenen Gedanken, Körperempfindungen, Gefühle und Bilder, die sich während der Aufstellung zeigen.